Konstanz

Das Konstanzer Konzil schrieb Geschichte. Der dort hingerichtete Jan Hus auch. Er wurde Luthers Vorbild.

Münster Unserer Lieben Frau in Konstanz
Münster Unserer Lieben Frau in Konstanz - © Achim Mende

Im Grunde beginnt die Geschichte der Reformation in der mittelalterlichen Freien Reichsstadt bereits vor 600 Jahren während des Konstanzer Konzils von 1414 bis 1418. Damals kam auch ein Prager Theologe nach Konstanz, um Kritik zu üben und Missstände anzuprangern. Jan Hus wetterte gegen Konkubinen für Priester, Reichtümer der Kirche und die Käuflichkeit von Bischofsämtern. Seine Glaubensüberzeugungen brachten den unbequemen Vorreformator noch während des Konzils auf den Scheiterhaufen. Für Martin Luther aber war Hus ein Held des Glaubens und ein Vorbild.

Nur wenige Monate nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg wurden seine Schriften in Konstanz mit Begeisterung aufgenommen – nicht ohne den Hintergedanken, den katholischen Bischof zu entmachten. Zwei Kirchenmänner, Ambrosius Blarer und Johannes Zwick, trieben die Reformation in Konstanz mit ihren Predigten voran. Doch Konstanz kam nicht zur Ruhe, und die Reformation endete unter Gewalt: 1548 zwangen die Habsburger die Stadt zur Rekatholisierung. Es dauerte 200 Jahre, bis sich in Konstanz wieder protestantisches Leben regte. Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es wieder eine evangelische Gemeinde. Ihr gehört die Lutherkirche, deren Grundstein zum 450. Todestag von Jan Hus gelegt wurde.

An etwas anderes erinnert die neun Meter hohe und 18 Tonnen schwere Figur, die im Konstanzer Hafen steht. Die Imperia, eine Skulptur von Peter Lenk, trägt zwei klapprige, nackte Männlein: Papst und Kaiser. Denn die Kurtisane war vor 600 Jahren die heimliche Herrscherin des Konstanzer Konzils.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Konzilgebäude. 1417 wurde hier der neue Papst gewählt. Damals war in der Altstadt die Hölle los. Sie wird von Bodensee und Seerhein umspült und lehnt sich mit dem Rücken an die Schweiz. Vom Hafen sind es nur wenige Schritte zum Rathaus und zum zweiten markanten Gebäude von Konstanz, dem Münster.